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Klotens Coup in der Höhle des Löwen

Die SG Kloten/Rorbas ist der 1.Liga einen grossen Schritt nähergekommen. Zum Auftakt der Aufstiegsrunde setzten sich die Spieler von Trainerin Agnes Kriser in Andelfingen mit 28:27 durch.

Spielbericht von Peter Weiss, Zürcher Unterländer

Kurz vor Matchbeginn wirken die Strassen der schmucken Gemeinde im Zürcher Weinland wie leer gefegt. Eine Tafel am Ortseingang weist auf die Aufstiegsrunden-Partien des örtlichen Hand­ballclubs hin – und tatsächlich hat sich der Mittelpunkt des Andelfinger Lebens an diesem sommerlich sonnigen Samstagabend in die Sporthalle am Ortsrand verlagert. Die zwei Sitzreihen sind bis auf den letzten Platz gefüllt; dahinter stehen Kinder und Jugendliche, Frauen und Män­ner jeden Alters, viele von ihnen­ in die orangefarbenen Leibchen des Gastgeberklubs gewan­det und mit Rasseln, Tröten ausgestattet. Einer hat gar eine grosse Trommel dabei. ­Ohne Pause feuern sie alle gemeinsam den Gruppensieger der 2. Liga, Gruppe 1 an, mit Rufen, Gesängen und frenetischem Jubel nach jedem Treffer – auf dass das Team von Trainer Paddy Kälin, dem bekannten TV-Sportmoderator, die Gäste aus dem Unterland aus der Halle fege. Doch die SG Kloten/Rorbas, als Drittplatzierter der Gruppe 2 in die Aufstiegsrunde nachgerückt, sollte dem Druck im Hexenkessel von Andelfingen standhalten.

Geduldig und präzis griffen die Unterländer an; im zentralen Rückraum führte Hannes Rusterholz in der Art eines Spielmachers Regie – obwohl er erstmals in dieser Saison auf dieser Position zum Einsatz kam. Denn Severin Wullschleger, die eigentliche Besetzung dort, fehlte­ ebenso wie vier andere Stammspieler. Der Schweizerische Hand­ball-Verband hatte erst wenige Wochen zuvor bekannt gegeben, dass die Aufstiegs­runde überhaupt gespielt werde – zu spät, um Ferien oder Familien­feiern zu verschieben. Und wer von den Unterländer Spielern, die ein Jahr zuvor bis zuletzt noch um den Verbleib in der 2. Liga hatten kämpfen müssen, hätte schliesslich damit rechnen können, im Frühjahr 2018 um den Aufstieg in die 1. Liga mitzuspielen?

Rumpfteam mit Kampfgeist

Doch die Gäste, bei denen mit ­Rany El-Nashar ein Spieler aus der zweiten Mannschaft aushalf und sich Assistenztrainer Andy Frideling gar selbst reaktivierte, begegneten den Weinländern auf Augenhöhe. In der ersten Halbzeit gerieten sie nur zweimal mit zwei Toren in Rückstand (7:9 und 8:10). Und als bei den – ebenfalls ersatzgeschwächten – Gast­gebern der Schwung nachliess, die Kräfte und somit auch die Präzision im Angriff schwanden, schlugen die Unterländer eiskalt zu. Auf der linken Abwehrseite fingen Fabian Siegrist und seine Nebenleute einen Ball um den anderen ab und lancierten mit weiten Pässen Tempogegen­stösse, die namentlich Stefan Lütsche zu Toren in Serie abschloss. So führten sie zur Pause plötzlich mit 15:12.

Das Geschehen in der zweiten Halbzeit ähnelte jenem in der ersten – mit dem Unterschied, dass die Unterländer zu Beginn in ein Loch fielen. Die Gastgeber legten mit hohem Tempo los und schlossen ihre ersten drei An­griffe erfolgreich ab. Und weil die SG Kloten/Rorbas ihrerseits ohne Torerfolg blieb, war ihr Vorsprung innert Kürze komplett dahin­ge­schmolzen.

Unterzahl als Wendepunkt

«Die Spieler mit dem Kopf in der Garderobe geblieben», stellte Agnes Kriser hinterher fest. Doch die Trainerin reagierte. Nach ihrem frühen Time-out fingen sich die Kloten/Rorbas-Spieler allmählich. Die abermalige Andel­finger Zweitoreführung konnten sie so noch nicht verhindern. Doch bald darauf wendeten sie das Blatt erneut zu ihren Guns­ten. Zu Beginn stand kurioserweise eine Zweiminu­tenstrafe gegen den Abwehrspezialisten und Sportchef David Schlütter. Die Unterländer erzielten in Unter­zahl zwei Tore, kassierten nur eines – und gingen kurz nach dem Ende der Strafe wieder in Führung.

Fabian Siegrist erklärte lächelnd: «Es war wie so oft in dieser Saison: In Unterzahl spielen wir fast am besten, weil dann jeder­ weiss, was er zu tun hat und dass es jetzt voll auf ihn ankommt.» Ausserdem, fügte der linke Flügel an, «kann man in Unter­zahl fast nur gewinnen, und wenn wir eine Strafe gut überstehen, dann pusht uns das extrem». Auch Siegrist selbst, der in Andelfingen 60 Minuten ohne Pause durchspielte, steuerte im Anschluss an die Strafzeit-Phase meh­rere Treffer zum entscheidenden Vorsprung bei. «Wir haben dann das Spiel im Angriff wieder mehr auseinandergezogen. So haben wir Flügelspieler mehr Pässe bekommen – und in der Mitte ist auch wieder mehr Raum entstanden.» Und nicht ­zuletzt weil Goalie Daniel Binder ab Mitte der zweiten Halbzeit wieder einige starke Paraden gelangen, gingen die Klotener am Ende als ausgelassen ­jubelnde 28:27-Sieger vom Feld. Agnes Kriser sah den Schlüssel zum Erfolg in der mannschaftlichen Geschlossenheit und in der Abwehr.

Ein Unentschieden reicht

«Unsere Spieler haben mit grossem Glauben als Team zusammengespielt, sich gegenseitig unterstützt und wirklich sehr gut verteidigt», lobte die Trainerin, die Kloten/Rorbas auf diese Spiel­zeit hin übernommen ­hatte. «Dar­auf kommt es an, denn wenn man hinten sicher steht, kann man sich im Angriff auch geduldig die beste Gelegenheit zum Abschluss­ herausspielen.» Ein Spiel trennt Agnes Krisers Team noch vom Aufstieg in die 1. Liga, aus der Kloten zuletzt 2014, damals noch im Verbund mit Pfadi Winterthurs Nachwuchs unter dem Namen SG Pfadi Youngsters Kloten Handball, abgestiegen war. Ein Remis im Heimspiel gegen Mutschellen vom kommenden Samstag, 18 Uhr in der Klotener Ruebisbachhalle würde dazu genügen.

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